Im Mai 2018 haben die Delegierten des Deutschen Ärztetages eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots in Deutschland befürwortet. Was bedeutet diese Entwicklung für den Einsatz der Telemedizin in Deutschland? Wie weit sind andere EU Länder in diesem Bereich?  

 

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Lockerung des Fernbehandlungsverbots: neue Wege der Patientenversorgung

 

Die Lockerung des Fernbehandlungsverbots macht den Weg frei für die Verwendung der Telemedizin in Deutschland. Von nun an können Ärzte Patienten online beraten und behandeln. Per App, PC oder Smartphone können Patienten über digitale Plattformen einen Arzt konsultieren und fortan auch ein Rezept erhalten, ohne eine Artzpraxis aufsuchen zu müssen.   

Bis Mai 2018 waren Videosprechstunden nur für Verlaufskontrolle von bekannten Patienten erlaubt. Durch die Lockerung des Verbots werden Ärzte künftig eine Beratung und eine Behandlung über moderne Kommunikationsmedien „im Einzelfall“ auch ohne persönlichen Erstkontakt durchführen können.

 

Telemedizin: Eine Lösung für die aktuellen Herausforderungen des Gesundheitswesens?

 

Lange Wartezeiten, überfüllte Wartezimmer, medizinische Unterversorgung von Menschen in ländlichen Gebieten: Die Telemedizin scheint heute innovative Lösungen zu bieten, um die aktuellen Problemen des Gesundheitswesens zu beheben.

Doch sieht die Bundesärztekammer auch Gefahren: Beispielsweise bleibt der Besetzung des Marktes von kommerziellen Anbietern weiterhin ein großes Thema. Zu beachten ist nämlich die immer größer werdende Anzahl an Unternehmen, die in der Digitalisierung des Gesundheitswesens ein großes Wachstumspotenzial erkennen und die längst medizinische Beratung online anbieten.

Mit der Lockerung des Fernbehandlungsverbots bekommen die Ärzte nun mehr Handlungsspielräume, um die digitalen Wege aktiv zu gestalten. Allerdings müssen sie sich dem wachsenden Wettbewerb stellen.

 

Einsatz der Telemedizin in anderen EU Ländern

 

In Skandinavien ist die Anwendung der Telemedizin schon weiter voran. Im Bereich der Digitalisierung des Gesundheitswesens scheint Schweden ein Vorreiterland in Europa zu sein.

Dort wächst die Branche seit 2016 exponentiell. Durch Netzdoktoranbieter wie „Kry“ können die Patienten über das Smartphone zwischen Allgemeinmedizinern, Fachärzten sowie seit März 2018 Psychologen wählen. Anwar, André. „Schweden: Fragen Sie doch Herrn Teledoktor“. Die Presse 11/05/2018.
In nur wenigen Mausklicken beantworten Patienten Fragen zu ihrem Leiden und werden anschließend mit einem entsprechenden Arzt verbunden.

In Frankreich wurde im September 2018 die Pilotphase für Telemedizin abgeschlossen. Zusätzlich zu den Bewohnern von Altersheimen, bekommen fortan Patienten mit chronischen Krankheiten sowie Patienten in Gebieten ohne ausreichende ärztliche Versorgung telemedizinische Dienste von der französischen Krankenkasse CNAM (Caisse Nationale d’assurance maladie) erstattet.

Die Anwendung bleibt allerdings in der Regel nur möglich, wenn der Arzt den Patient wenigstens einmal persönlich gesehen hat und im Besitz der Patientenakte ist.  

 

Wie geht es weiter mit der Telemedizin in Deutschland?

 

Bevor die Lockerung des Ärztetages in allen Bundesländern umgesetzt werden kann, müssen die verschiedenen Landesärztekammern dem Beschluss der Vertreterversammlung zustimmen. Doch stehen noch ein paar Bundesländer der Fernbehandlung skeptisch gegenüber. Die Vertreter der saarländischen Landesärztekammer haben fast mit Zweidrittel-Mehrheit klargestellt, dass die Umsetzung dieser Lockerung in der Region nicht in Frage komme.

Dennoch entstehen seit mehreren Jahren in Deutschland zahlreiche Initiativen, die vielversprechende Entwicklungsgebiete im Bereich Telemedizin anbieten. Die Medical Valley EMN (Europäische Metropolregion Nürnberg) bündelt beispielsweise  Fachwissen und Ressourcen von Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung und Politik als Cluster.

Hieraus resultiert ein regelmäßiger Austausch zwischen Fachgebieten, um das Voneinander-Lernen zur Optimierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland und europaweit zu fördern.